Warum können christliche Teenager nicht ihre eigene Musik haben?

Wir wissen, dass die Probleme der heutigen christlichen Jugend nicht nur aus Musik, Drogen und Unmoral bestehen. Die Probleme äußern sich auch nicht immer auf dieselbe Art und Weise. Das Kernproblem aber bleibt bestehen, und das war schon immer in dieser sündhaften Welt der Fall - wir haben einfach zu viel von der Welt in uns. Die Verse in 1.Johannes 2,15-17 sind ewiglich wahr, wir müssen uns deren Aussage beständig vor Augen halten. Wer nur die Anforderungen an die Musik verbessert, wird kein weltliches Herz verändern.

Mit diesem Artikel wollen wir Beobachtungen aus vielen Jahren unseres Musikdienstes in über 2.000 Gemeinden weitergeben. Wir beten darum, dass das, was wir aus diesen Beobachtungen gelernt haben, auch für dich und deine Familie hilfreich ist.

Musik spielt in jeder Kultur eine wichtige Rolle - sie hat auf alles Einfluss. Besonders die Rockmusik hat den Weg in jeden erdenklichen Bereich des täglichen Lebens gefunden. Wir müssen unsere Augen und Ohren nicht extra aufsperren, um den vertrauten Beat zu hören. Leider gibt es Menschen, die den Gebrauch und Einsatz solcher Musik in der Gemeinde befürworten. Wahrscheinlich lehnen die meisten erwachsenen Leser Rockmusik in der Gemeinde als Mittel der Verherrlichung und Anbetung Gottes ab. Und doch verleiten manche von ihnen die Jugendlichen zu dieser Praxis - ganz unbewusst. Ich möchte gerne genauer darauf eingehen. Es gibt zwei Punkte, die unser Denken stark beeinflussen. Ich fordere dich auf, dich hier auch selbst zu prüfen.

Der erste Punkt kann anhand eines Kommentars verdeutlicht werden, den ich oft von Eltern und Mitarbeitern in Gemeinden höre: "Gibt es denn keinen Musikstil, der unsere jungen Leute mehr anspricht? Sie finden die Musik in der Gemeinde einfach langweilig. Obwohl ich eigentlich nicht will, dass sie zeitgemäße christliche Musik (CCM) hören, gibt es doch praktisch keine Alternativen." Auch wenn ich einen solchen Kompromiss nicht akzeptieren kann, überraschen mich diese Bemerkungen nicht.

Eine bessere Fragestellung wäre: "Brauchen christliche Jugendliche eine 'andere' oder 'peppigere' Musik als Erwachsene?" Nicht jeder stimmt der "Kluft" zwischen den Generationen zu. Aber vielleicht fördern wir diese Kluft ja geradezu in unseren Gemeinden. Wir haben Jugendpastoren, Jugendaktivitäten, Jugendgottesdienste, Jugendfreizeiten und Treffs für außenstehende Jugendliche. Oft ist es sogar so, dass die Jugendlichen während der Gottesdienste in ihren eigenen Reihen sitzen. Ist es dann nicht logisch, dass einige denken, wir bräuchten auch "Jugend-Musik"? Sicherlich kann ein gutes und auf christliche Teenager ausgerichtetes Programm sehr segensreich sein. Aber wir sollten die Jugendlichen nicht in eine andere geistliche Kategorie stecken als die Erwachsenen. Wir wissen, dass Aktivitäten auf das jeweilige Alter zugeschnitten sein sollten. Dabei müssen wir dann aber auch verstehen, worum es eigentlich geht. Hat Christus denn den jungen Leuten ein anderes Evangelium gepredigt? Haben die Apostel Konzepte für effektive Jugendgottesdienste entwickelt, die sich von denen für Erwachsene grundlegend unterscheiden? Wahrscheinlich steht die einzige speziell an Jugendliche gerichtete Aufforderung in 2.Timotheus 2,22a: "So fliehe nun die jugendlichen Lüste." Diese Aufforderung dürfte sich auch auf die selbstsüchtige Gier nach "Jugend-Musik" beziehen.

Wir erweisen unseren Teenagern einen schlechten Dienst, wenn wir sie in ihrer Annahme bestärken, sie hätten andere geistliche Probleme als 10 oder 20 Jahre ältere Erwachsene. Wir sprechen Probleme des Fleisches an - es gibt kein "altes" oder "junges Fleisch". Für beide Gruppen gelten dieselben biblischen Prinzipien. Unsere jungen Leute müssen sehen, dass die Musik in der Gemeinde für alle da ist. Sobald man etwas anderes zulässt, öffnet man die Tür für die Rechtfertigungen ihrer Altersgenossen in der Welt, die sagen: "Das ist unsere Musik, nichts für Erwachsene."

Während der erste Punkt damit zu tun hat, dass dem Fleisch unserer Jugendlichen nachgegeben wird, so geht es beim zweiten Punkt um unser eigenes Fleisch. Man überlege, was der Durchschnitt der Gläubigen über die Musik in der Gemeinde denkt. Viele Geschwister in bibeltreuen Gemeinden verstehen gute Musik als eine langweilige Notwendigkeit im Verlauf des Gottesdienstes und äußern dies oft in Bemerkungen wie: "Oh, schon wieder dieses Lied!" oder "Warum bringen sie nicht mal etwas Peppigeres?" Der durchschnittliche Christ singt in der Regel mit wenig Beteiligung (wenn überhaupt). Der Pastor blättert während des Singens in seinen Notizen oder redet mit jemandem, der Chor singt mit wenig oder ganz ohne Ausdruck, in der Kanzel macht jemand einen Witz oder bringt ein "schlaues" Wortspiel, anstatt mit einer ernsthaften, geistlichen Bemerkung auf das Lied hinzuweisen und die Versammlung damit zum Nachdenken anzuregen. Man hat oft den Eindruck, dass nur deshalb gesungen wird, damit Nachzügler noch schnell ihre Plätze einnehmen können. Man stelle sich vor, wie sich ein Teenager in einer solchen Umgebung vorkommen muss!

Sollte es uns dann noch überraschen, wenn Jugendliche im besten Fall eine apathische Einstellung zur Musik in der Gemeinde haben - bei so schlechten Vorbildern? Nach Ansicht des Autors wendet sich die christliche Jugend der weltlichen Musik zu, weil sie in der Musik in unseren Gemeinden nichts für sich entdecken kann. Wir erinnern uns an die Antwort in Gal. 5,17:

Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, so dass ihr nicht das tut, was ihr wollt.

Auch wenn wir den Konflikt in uns (das Fleisch kämpft gegen den Geist und umgekehrt) verstehen, übersehen wir möglicherweise, dass das Singen in der Bibel eine Aktivität des Geistes ist. Schau dir die Verse in Epheser 5,18-19 und 1.Korinther 14,15 an, und du wirst die enge Verbindung zwischen Geist und Singen sehen. Im Alten Testament in 2.Chronik 5,13-14 findest du dieselbe Aussage. Singen ist eine geistliche Aktivität. Wenn wir die biblischen Gebote bei der Beurteilung von Musik in der Gemeinde heranziehen - und nicht den fleischlichen Maßstab des eigenen Vergnügens - dann erscheint diese Musik auf einmal in einem völlig anderen Licht. Wie könnte ein ehrlicher und aufrichtiger Gläubiger beispielsweise die Worte "Leuchtend strahlt des Vaters Gnade" als langweilig bezeichnen? Wie könnte ein Christ eine herrliche Wahrheit in einem Solostück hören und gleichzeitig gelangweilt über das gähnen, was im Text ausgesagt wird? Was wir als "peppig" oder "langweilig" betrachten, ist unsere körperliche Reaktion auf die Musik - wenn wir in selbstsüchtiger Weise zuhören. Wenn wir dagegen einen geistlichen Maßstab anlegen, dann basiert unsere Reaktion auf dem, was uns der Heilige Geist durch den Text vermittelt.

Und wir kämpfen alle mit dem richtigen Maßstab. Es gab Zeiten, in denen wir ein Lied mit wunderbaren Wahrheiten und Aussagen des Heiligen Geistes aufschlugen, haben aber gar nicht auf das geachtet, was wir sangen. Und haben den Segen verpasst, den wir dadurch bekommen hätten. Wir haben im Fleisch gesungen, nicht im Geist. Auch der Autor bekennt sich dessen schuldig.

Familien und Gemeinden müssen sich der folgenden Aufgabe stellen: Kehrt um und gebt dem geistlichen Singen in der Gemeinde wieder Raum und Bedeutung - das gilt für jeden Einzelnen! Helft christlichen Teenagern zu der Erkenntnis, dass die Musik in der Gemeinde nicht dazu da ist, dass WIR Gefallen und Vergnügen daran haben, sondern GOTT. Ja, Gott hat Freude am Singen: "Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der rettet; Er wird sich über dich freuen mit Wonne, Er wird still sein in seiner Liebe, Er wird über dich [mit Jubelgesang1] frohlocken." (Zephanja 3,17) Wir lesen auch, dass unser Singen für Gott eine Freude ist: "Lobt den HERRN! Denn es ist gut, unsrem Gott zu lobsingen: es ist lieblich, es gebührt [Ihm] Lobgesang." (Ps. 147,1) David erkannte dies und sagte: "Gut ist's, dem HERRN zu danken, und Deinem Namen zu lobsingen, Du Höchster." (Ps. 92,2) Wenn wir im Geist wandeln, erfüllen wir nicht die Begierde des Fleisches. (Gal. 5,16) Wenn wir im Geist singen, werden wir kein Verlangen mehr nach den Liedern des Fleisches haben.

(Übersetzt aus Harmony at Home/Tim Fisher, S. 153-156; #11)

© 2003 für D, A, CH: impact e.V.


  1. Ergänzung zur näheren Erläuterung