Eine wichtige Frage für unsere heutige Zeit: Ist Musik amoralisch?

Kurt Woetzel

Es ist ganz klar, dass diese Frage in mehrerlei Hinsicht gestellt werden muss. Ist Musik neutral? Ist Klang in der Lage, moralischen Einfluss auszuüben? Beinhaltet und vermittelt Musik für sich alleine, mit oder ohne Text, moralische Werte? Ist Musik amoralisch? Die Antwort auf diese so entscheidende Frage spaltet einen Großteil der Christenheit in verschiedene Lager und hat einen starken Einfluss auf den Charakter der Musik, die man in einer bestimmten Gemeinde hören kann. Als ich diese Frage Robert Shaw stellte, zögerte er keinen Augenblick und erwiderte: „Jede Kunst ist moralisch.“ Es war sehr deutlich, dass der berühmteste Chorleiter des 20. Jahrhunderts sich bereits vor unserem Gespräch damit gründlich befasst hatte. Es wird berichtet, dass er während einer Probe mit seinem Chor ‚Collegiate Chorale‘ im Februar 1953 geäußert und später in einem Brief an die Gruppe geschrieben hat: „Musik ist von allen Künsten die moralischste.“ (Dear People, Joseph Mussulman, S. 108).

Es ist ein interessanter Aspekt, dass die Kontroverse über die Neutralität von Musik ein relativ junges Phänomen ist und sich in erster Linie auf die Christenheit beschränkt. Obwohl säkulare Quellen von den Philosophen der Antike bis hin zu Autoren der Gegenwart das Thema häufig ansprechen, so tut man sich doch äußerst schwer damit, jemanden unter ihnen zu finden, der die Position vertritt, dass Musik amoralisch sei. In meiner eigenen Bibliothek habe ich mehr als siebzig Bücher zu diesem allgemeinen Thema. Es ist mir jedoch noch nicht gelungen, einen säkularen Autoren zu entdecken, der auch nur andeutungsweise Stellung bezieht für die Neutralität von Musik. Vielleicht ist die einzige Ausnahme Strawinski, von dem es heißt, dass er seine Musik als „Objekt“, „Ding“ bezeichnet habe, ohne eine besondere Bedeutung dahinter (Worauf man bei Musik hören soll, Aaron Copland, S. 12). Praktisch alle anderen vertreten mit großer Wortgewandtheit und Enthusiasmus den Standpunkt, dass Musik einen großen moralischen Einfluss hat. Wir müssen verstehen, dass ihre Motivation im Gegensatz zu unserer vor allem soziologischer Natur ist und nicht geistlicher. Künstler und Sozialwissenschaftler machen sich Gedanken über die Auswirkung von Musik auf Einzelne, wie auch auf die Gesellschaft als Ganzes. Unser Anliegen und unser Appell rühren daher, dass wir als Gläubige empfindsam sind, was den Einfluss von Musik auf den Christen und somit auf den Leib Christi angeht.

Eine Debatte, die Uneinigkeit schafft

Um einen besseren und vollständigeren Überblick über die Dynamik dieser Debatte zu erhalten, ist es absolut angebracht und notwendig, dass wir zuerst bedenken, wann, warum und unter welchen Umständen dieses Thema aufgebracht wurde. Es ist für unser Verständnis von entscheidender Bedeutung, weil, wie Michael Hamilton es ganz richtig in einem Artikel in Christianity Today formulierte: „... sich amerikanische Christen, die in die Gemeinde gehen, nicht mehr so sehr durch ihre jeweilige Denomination voneinander unterscheiden, sondern durch ihre Musikwahl.“ („Der Triumph der Lobpreislieder“, Michael S. Hamilton, Christianity Today, 12. Juli 1999, S. 29-35). Geistliche Musik, in deren Macht es liegt, den Leib Christi so zu vereinen, dass er zum HERRN Lob und Preis empor bringt, ist im Gegensatz dazu ein Wesen für sich geworden, das Uneinigkeit schafft, individuellem Musikgeschmack und persönlichen Vorlieben unterworfen ist und gleichzeitig eine heftige Debatte und schmerzliche Polarisierung unter den Gläubigen verursacht. Michael Hamilton macht folgende Beobachtung: „Unser neuer Konfessionalismus ist ein Konfessionalismus des Anbetungsstils. Die jeweiligen Glaubensbekenntnisse sind Dogmen über Musik... Gemeinden, die zu klein dafür sind, verschiedene Dienste mit unterschiedlichen Anbetungsstilen anzubieten, versuchen entweder, musikalische Stile zu verschmelzen (‚gemischte Anbetung‘), oder sie sind sich uneins und liegen im Streit darüber, welche Musik zu verwenden ist.“ Später in dem Artikel kann man die Position des Autoren erkennen, wenn er schreibt: „Es ist die Aufgabe der Ortsgemeinde, die Gute Nachricht von Jesus Christus weiterzugeben, Menschen in eine lebendige Beziehung zu Gott zu ziehen und Jünger Jesu nach den Vorgaben der Bergpredigt umzuformen. Jede Art von Anbetungsmusik, die eine Gemeinde bei diesen Aufgaben unterstützt, wird mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit vom Heiligen Geist dafür verwendet.“ Es ist interessant, wenn man bedenkt, dass gerade dieser Autor, der nach der eben zitierten Bemerkung Musik nicht als moralisch ansieht, eine wichtige Beobachtung macht, die die Gegenposition (Musik ist moralisch) stark unterstützt. Er schreibt nämlich: „Wenn sich heute jemand für einen Musikstil entscheidet, so bringt er zum Ausdruck, mit wem er sich identifiziert, was seine Wertvorstellungen sind und letztendlich, wer er ist.“ Inwiefern hat Herr Hamilton die Position, dass Musik moralisch ist, mit dieser Aussage unterstützt? Musikstile, die individuell ausgewählt werden, sind ein Mittel, durch das Wertvorstellungen zum Vorschein kommen. Individuelle Wertvorstellungen sind ein Beleg dafür, dass Moralvorstellungen vorhanden sind; deshalb haben Musikstile eine moralische Bedeutung.

Der in dem Artikel von Christianity Today so deutlich zum Ausdruck kommende Widerspruch ist ein Spiegelbild des Dilemmas derjenigen unter den Christen, die felsenfest behaupten, dass Musik neutral sei, die aber dann doch deren spürbaren Einfluss und Wirkung auf Charakter und Wertvorstellungen nicht verleugnen können. 1. Kor. 15,33 gewährt einen tieferen Einblick und warnt ganz unmissverständlich: „Irrt euch nicht: Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.“ Musik ist ein äußerst einflussreiches Mittel der Kommunikation. Sitten, wie es im obigen Vers lautet, sind das Sichtbarwerden von Wertvorstellungen und Charakter. Das, was neutral ist, kann zweifellos nicht auf den Charakter einwirken. Wenn wir jedoch einem Wesen Moralität zuschreiben, so muss es von seiner eigenen Natur aus die Fähigkeit besitzen, eine Wirkung auf den Charakter zu haben und ihn zu beeinflussen. Wenn Musik moralisch ist, dann wird sie unvermeidlich Einfluss nehmen auf das Verhalten – das Sichtbarwerden des Charakters. Wir können nicht das eine und das andere haben! Musik ist entweder neutral und steht in keinem Bezug zu Wertvorstellungen oder sie ist moralisch und hat wie auch andere moralische Mittel eine Auswirkung auf den Charakter und die Wertvorstellungen. Es ist deshalb inkonsequent und unlogisch zu sagen, dass Musik amoralisch sei und doch Einfluss auf Wertvorstellungen habe.

Die Welt trifft mit ihrer Perspektive darüber, inwieweit die Musik den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst, ziemlich genau den Nagel auf den Kopf. Dr. Peter Wicke ist der leitende Direktor des Forschungszentrums Populäre Musik an der Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland. Er ist seit vielen Jahren tätig als Autor und Musikkritiker. In seiner Veröffentlichung Rockin‘ the Boat, Mass Music and Mass Movements schreibt er auf S. 81: „Musik ist ein Medium, das in der Lage ist, Bedeutungen und Wertvorstellungen zu vermitteln, die – sogar wenn sie in der unentzifferbaren Welt des Klangs verborgen sind oder vielleicht sogar gerade dann – auf nicht wahrnehmbare Art und Weise im Lauf der Zeit Verhaltensmuster formen können, bis diese ein sichtbarer Hintergrund realer politischer Aktivität werden.“

Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Frage: Ist Musik moralisch?

Die Denkweise, dass Musik neutral sei, entwickelte sich in christlichen Kreisen in den späten 60er und frühen 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. In derselben Zeitspanne erfuhr der westliche Kulturkreis einen traumatischen und turbulenten Umbruch. Jüdisch-christliche Werte und Moralvorstellungen wurden lächerlich gemacht, attackiert und unverzüglich verworfen. Die Revolution in der Musik spielte dabei keine geringe Rolle. Von Evangelikalen kam der Aufruf, dass die Gemeinden sich der modernen, zeitgenössischen Kultur öffnen sollten. Musik, für den Gläubigen wunderbarer Ausdruck des Glaubens und oft Antrieb für kulturelle Veränderungen, wurde als das Mittel gewählt, mit dem die Gemeinde eine Gesellschaft erreichen sollte, die stürmische Veränderungen erfuhr.

1969 schrieb Don Wyrtzen, ein junger, talentierter, einflussreicher Musiker, der in christlichen Musikkreisen wohlbekannt war, in seiner Magisterarbeit der Theologie am Dallas Theological Seminary: „Jede Generation von Christen ist dafür verantwortlich, die christliche Botschaft dem kulturellen Umfeld, in dem sie sich befindet, zu übermitteln.“ Er fuhr fort: „Die Christenheit wird nur dann Gehör finden in der zeitgenössischen Kultur, wenn sie sich von ihrer kulturellen Apathie befreit und sich aufmacht, die Arena zu betreten, wo die Auseinandersetzungen unserer Zeit stattfinden.“ (Eine Einführung in die christliche Sichtweise der Künste, Donald John Wyrtzen, Dallas Theological Seminary, 1969, S. 61-62).

Die Diskussion, die bis zum heutigen Tag andauert, umfasste eine gänzlich neue Annäherungsweise an geistliche Musik. Der Klang der Popmusik, die man für die Musik in der Gemeinde als ungeeignet ansah, begann immer mehr Anerkennung zu finden. Seitdem hat diese neue religiöse Musik (heute bekannt als Zeitgenössische Christliche Musik oder Coole Christliche Musik = CCM), die von der Musik der Welt mit ihrem Sound, ihren Gefühlen und ihrer Präsentation praktisch nicht zu unterscheiden ist, in eine zunehmende Anzahl von Gemeinden Einzug gehalten. Heute hat sie absoluten Vorrang – sei es vorne in den Gemeinden, wo musiziert wird, sei es in den Reihen, wo die Gläubigen sitzen und vor allem auch bei dem, was im Durchschnitt zu Hause privat gehört wird. Wie kam es, dass CCM dazu eingeladen wurde und wer hat sie eingeladen? Welche Bedingungen beschleunigten diese beispiellosen Veränderungen in der Praxis, der Philosophie und der Zielsetzung geistlicher Musik? Wie kam es dazu, dass das, was kunstorientiert, besinnlich, erhebend, gesund und ordentlich war, durch den Popsound der Bars, Tanzlokale, Kneipen und anderer Orte, wo sich die Welt versammelt, um dem Fleisch zu leben und es zu mästen, ersetzt wurde?

Es begann alles damit, dass die Zielsetzung eine andere wurde. An der Zielsetzung orientiert sich die Praxis. „Wir müssen einen Bezug zu unserer Kultur finden“, war der Aufruf. Seitdem hat der Lärm zugenommen, die Bewegung hat ihre Anhänger magnetisch in den Bann gezogen und ihre Zielsetzung ist ausgereifter. Das eher schwammige „Bezug-zu-unserer-Kultur-finden“ ist jetzt klarer definiert worden und findet Ausdruck in einem neuen einstimmigen Chorus: „Wir müssen die Leute erreichen.“ Heute ist CCM vorrangig evangelistisch ausgerichtet.

Erreicht CCM das Ziel, das sie sich gesteckt hat? Die Antwort darauf ist zu entdecken, wenn man einige Fragen stellt, die in die Tiefe gehen. Ist die Kultur mehr wie die Gemeinde geworden oder hat sich die Gemeinde an die Kultur angepasst? Hat sich die Welt die Werte der Gemeinde zueigen gemacht oder ist die Gemeinde umgeformt worden nach dem, womit sich die Welt vorrangig beschäftigt? Ist der Sache Christi geholfen worden dadurch, dass Christen sich die Welt zum Vorbild nehmen, sie widerspiegeln und nachahmen? Die Antworten liegen auf der Hand. Und die neue Musik, die doch gedacht war als Botschafter von der Gemeinde aus, hat sich erwiesen als Unterhaltung für die Gemeinde, wobei sie unzählige Scharen von Fans produziert – aber herzlich wenige, die Jesus wirklich nachfolgen. William Willimon, Dekan der Kapelle der Duke Universität, machte eine wertvolle Beobachtung, als er, wie berichtet wird, sagte: „In unserem Bemühen, die Welt zu erreichen, haben wir uns vornüber gebeugt, das Gleichgewicht verloren und sind (in sie) hineingefallen.“

Als die Zielsetzung, Motivation und Mission geistlicher Musik dahingehend abgewandelt wurden, dass es nicht mehr darum ging, den HERRN zu preisen und die Heiligen zu ermutigen, sondern sich mit einer Kultur zu identifizieren und die Verlorenen zu erreichen, musste sich die Musik ändern. Wenn christliche Musik zu dem Werkzeug werden soll, mit dem die Welt für Christus erreicht werden soll, dann ist es unabdingbar, dass solche Musik die Welt mit dem Sound und Musikstil bedient, mit dem sich die Mehrheit leicht identifizieren kann. Deshalb war es nicht nur erforderlich, die Musik in der Gemeinde aufzupolieren, sondern vor allem mussten der Charakter, die Richtlinien und die Philosophie, die diese Musik bestimmten und ausmachten, neu gestaltet werden.

Der April des Jahres 1971 sollte dabei ein entscheidender Wendepunkt sein. „Nach wochenlangen Umfragen von Küste zu Küste und zahlreichen persönlichen Interviews durch die Mitarbeiter von Eternity (Zeitschrift der Billy Graham Association, Anm. d. Übersetzers)“, schrieb Chefredakteur William J. Petersen einen Artikel mit einer Überschrift von großer Tragweite: „O, welch fantastischer Tag ist angebrochen für die christliche Musik!“

Nach den eigenen Worten der Zeitschrift „wird durch diesen Artikel alles klar“. Das war in der Tat so.

Wie klangen die Töne und wie veränderten sich die Einstellungen der christlichen Gesellschaft nach diesem „neuen Tag“? Erstens wurde die neue Zielsetzung für geistliche Musik, die sich an der Kultur orientierte, nach außen und horizontal ausgerichtet – anstatt nach innen gerichtet und vertikal zu bleiben. Das biblische Modell für geistliche Musik ist klar und eindeutig. Epheser 5,19 lehrt: „... indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt!“ Die Parallelstelle in Kol. 3,16 lautet: „... in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade!“ Hebräer 2,12 klingt wie ein Echo dieser beiden Stellen: „Kundtun will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Gemeinde will ich dir lobsingen.“ Die Musik des Gläubigen soll „im Haus“ bleiben und nach oben zum HERRN gerichtet sein. Indem ihr zueinander redet, lehrt und ermahnt euch gegenseitig und den Namen des HERRN kundtun inmitten der Gemeinde weisen ganz und gar nicht auf Evangelisation hin. Geistliche Musik ist für die Gläubigen und zum HERRN hin. Immer wieder finden wir dieselbe Ermahnung des Wortes Gottes zur Musik: „Zu Ihm, zum HERRN hin, zum Höchsten hin, zu Dir, zu Deinem Namen.“ Wenn eine Gesellschaft ihre Moralvorstellungen, Schranken und ihr Gewissen preisgibt – wie in den 1960ern geschehen – dann ist es nicht die Pflicht und Aufgabe der Gemeinde (und auch nicht des einzelnen Gläubigen), das biblische Modell für Musik zu verwerfen und einer der Dekadenz unterworfenen Gesellschaft im Gleichschritt zu folgen, nur um die Gelegenheit zu ergattern, „sich Gehör in der zeitgenössischen Kultur zu verschaffen“.

Zweitens brachte der „neue Tag“ eine ganz neue Sichtweise der Musik hervor. Jenes mächtige und emotionsgeladene Kommunikationsmittel, das bis dahin als in moralischer Hinsicht sehr einflussreich und prägend gegolten hatte, wurde nun als amoralisch neu eingeordnet. Dies wurde erreicht durch einen einzigen Satz in einer einflussreichen Zeitschrift. Der Artikel von William J. Petersen in der Zeitschrift Eternity, „O, welch fantastischer Tag ist angebrochen für die christliche Musik!“, enthielt eine Äußerung, die einen Wendepunkt dahingehend darstellte, dass der Gemeinde ein neuer Impuls und eine Rechtfertigung dafür gegeben wurde, jede Art von Musik zu akzeptieren und einzusetzen, um die Verlorenen zu erreichen. Diese neue Perspektive der Musik veränderte in bedeutender Weise die Klänge, die zur Anbetung verwendet wurden; darüber hinaus gab sie den Weg frei, durch Evangelisation mit Musik als Schwerpunkt die zeitgenössische Kultur zu erreichen. In dem Artikel wurde ein sehr bekannter Musiker jener Zeit wie folgt zitiert: „Seelen zu gewinnen ist das einzige Ziel. Die Musik ist – na ja, sicher ein Hörgenuss, aber unser eigentliches Ziel ist es, Seelen zu gewinnen." Und dann löste Herr Petersen die Explosion aus, die dazu führte, dass die Gemeinde von einer Lawine von Popmusik verschüttet wurde, als er schrieb: „... wir dürfen nicht vergessen, dass Musik genau genommen amoralisch ist.“

Die große Mehrheit der Christen lebt jetzt unter dieser Lawine. Scharen christlicher Musiker haben zahlreiche Artikel verfasst, in denen sie die neue Denkweise wie Papageien nachplappern. Mehrere Bücher, die die Ideologie, dass Musik amoralisch sei, echoartig wiedergeben, neu formulieren, neu definieren und versuchen, sie zu rechtfertigen, sind unter den Christen in hohem Maße bekannt und werden akzeptiert – dies alles, um das Geröll der Lawine schön an Ort und Stelle zu halten und das Ausgraben zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen.

Dem HERRN sei Dank, dass Er es geschenkt hat, dass einige Pastoren, Musikdirektoren, Pädagogen und Gemeindeleiter diese Bewegung aus der Distanz beobachten konnten und nicht von ihr mitgerissen wurden. Sie haben sich nicht nur von dem Trümmerfeld fern gehalten, sondern sie haben auch ernsthafte Anstrengungen unternommen, der Haltung, dass Musik amoralisch sei, sowohl mit biblischen Prinzipien als auch mit gut dokumentierten und glaubwürdigen Belegen von qualifizierten säkularen Quellen zu entgegnen. In der Folge wird versucht, weitere der Zeit entsprechende, überzeugende und überführende Beweise vorzulegen, um die Argumentation, dass Musik moralisch ist, auf den Punkt zu bringen, zu verstärken und weiter auszuführen.

Eine logische Antwort auf die Frage
– Ist Musik amoralisch?
Musik ist eine Sprache

Im Rahmen dieser Diskussion ist es absolut notwendig, dass man Folgendes erkennt und versteht: Musik ist eine Sprache. Sie wird oft die Sprache aller Sprachen genannt. Man bezeichnet sie auch als Universalsprache. Obwohl sie nicht in der Lage ist, Begriffen Ausdruck zu verleihen, so ist sie doch unvergleichlich wirkungsvoller bei dem Vermitteln von Gefühlen und Emotionen als die verbale Übermittlung.

Zwischen Sprache und Musik besteht eine bemerkenswerte Ähnlichkeit. Bei der Sprache arbeiten wir mit Buchstaben, die zu Wörtern werden. Wörter werden zu Sätzen. Aus Sätzen werden ganze Abschnitte. Abschnitte bilden Kapitel und aus Kapiteln entsteht ein Buch. In der Musik werden einzelne Noten zu Akkorden. Akkorde bilden Phrasen. Phrasen bilden Abschnitte. Abschnitte werden zu Sätzen und aus Sätzen entsteht eine Komposition.

Bei der Sprache gebrauchen wir den Kopf, die Augen, den Mund, die Hände und die Füße. In der Musik verwendet man den Kopf, die Augen, den Mund, die Hände und die Füße. Sprache kommt zum Einsatz, wenn wir etwas schreiben, verfassen, kreieren, denken, auf der Suche nach Inspiration sind, Ideen formulieren und vieles mehr. Für die Musik gilt genau das Gleiche.

In der Sprache gibt es Regeln der Grammatik und des Satzbaus. In der Musik gibt es Gesetze der Kompositions- und Harmonielehre. Die Sprache benötigt Klänge verschiedener Tonhöhen. Es ist ganz offensichtlich, dass dies auch für die Musik gilt. Sowohl in der Sprache als auch in der Musik wird mit Klängen gearbeitet, die sich in ihrer Dauer, Dynamik und Klangfarbe unterscheiden. Mit der Sprache denken, überlegen und erwägen wir. „Muse“, von dem das Wort „Musik“ kommt, bedeutet „nachdenken“, „überlegen“ und „erwägen“. Ist es da ein Wunder, dass Musik als Sprache bezeichnet wird?

Deryk Cooke war in den 1950ern ein „hervorragender Rundfunkmoderator, Musikkritiker und Musikwissenschaftler“. In seinem Klassiker Die Sprache der Musik (S. 272) schrieb er: „Wir können dann sagen, dass - was auch immer die mysteriöse Kunstform, die als Musik bekannt ist, letztendlich zum Ausdruck bringen kann – sie hauptsächlich und grundsätzlich eine Sprache der Emotionen ist, durch die wir auf unmittelbare Weise die fundamentalen Regungen erfahren, die die Menschheit bewegen, ohne dabei Ideen und Eindrücke – Wörter oder Bilder – verfälschen zu müssen.“ Robert Shaw drückte es folgendermaßen aus, als er an seinen Collegiate Chorale schrieb: „Uns geht es beim Singen weder um Gewichtheben noch um die Präzision eines Uhrwerks – sondern allein um Stimmung und Bedeutung.“ (Dear People...Robert Shaw, Joseph A. Mussulman, S. 26). Edward Rothstein, der führende Musikkritiker der New York Times, ist ein Mann, der reich an Erfahrung, Glaubwürdigkeit und Kenntnis in Bezug auf dieses Thema ist. In seinem Buch Emblems des Geistes (S. 171) schreibt er: „... Musik besitzt die Kraft, die Art und Weise zu verändern, wie wir Dinge sehen; sie kann unsere Sinne und unser Verständnis umformen...“

Können wir in der Bibel Belege für den sprachlichen Charakter und Wesenszug der Musik finden? 1. Korinther 14,7-11 führt ein unmissverständliches Beispiel an, wo ein analoger Vergleich zwischen Musik und Sprache gezogen wird. „Denn auch wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten?“ 5. Mose 31, 19-22 beschreibt die letzte Begegnung zwischen dem HERRN und Mose von Angesicht zu Angesicht. Dies war zweifellos ein Geschehen von höchster Bedeutsamkeit und so kann man erwarten, dass der HERR Mose einige sehr wichtige Anweisungen erteilt. Was sagt der HERR zu Mose? Was wird an die Stelle von Gottes Gegenwart und Weisung treten, die die Israeliten bis dahin gekannt und genossen hatten? Wie wird Sein Trost und Seine Fürsorge, die sie 40 Jahre lang erfahren hatten, fortdauern? Gott gibt Mose folgenden Auftrag: „Und nun, schreibt euch dieses Lied auf, und lehre es die Söhne Israel! Lege es in ihren Mund, damit dieses Lied mir zum Zeugen gegen die Söhne Israel wird!“

Gott sagte in dieser Situation nicht: „Rede diese Worte zu ihnen. Vergewissere dich, dass sie verstehen, was ich dir gleich sagen werde.“ Nein. Der HERR befahl ihm, dass er sie dieses Lied lehren sollte. Warum ist das von so entscheidender Bedeutung? Weil die Worte allein nicht die Kraft, Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit der Botschaft widerspiegelten. Gott sagte zu Mose: „Schreibe für sie ein Lied, so werden sie sich an mich erinnern.“ Er versicherte ihm: „Durch das Lied auf ihren Lippen und in ihren Herzen, wenn sie es gemeinsam singen und sich dabei auch beobachten, werden sie sich nahe zu mir halten und es wird ihr Gewissen ansprechen, wenn sie sich von mir entfernen.“

Würde Gott Musik zu diesem Zweck verwenden, wenn sie neutral wäre? Du sagst jetzt vielleicht: „Da waren aber auch Worte zu der Musik.“ Ja. Aber der HERR hätte Mose auch anweisen können, sie nur die Worte zu lehren – vielleicht in poetischer Form. Ganz offensichtlich besaß die Musik, zusammen mit den Worten, eine größere Kraft, ihr Leben und ihren Wandel mit dem HERRN zu beeinflussen, als nur Worte allein.

Musik ist eine moralische Sprache

Steve Mason, Mitglied der christlichen (CCM) Popformation Jars of Clay, machte in einem Artikel von Christianity Today (15.11.1999, S. 39) eine Bemerkung, die man wohl als repräsentativ ansehen kann für Christen, die in dieser Debatte die Gegenposition vertreten. In meinen Diskussionen und Korrespondenzen mit denen, die behaupten, dass Musik neutral sei, begegnet mir immer wieder dieselbe Einschätzung – in der einen oder anderen Form. Herr Mason möchte das Crossover-Bestreben seiner Gruppe (von geistlicher Musik hinüber in die Charts der weltlichen Musik) rechtfertigen und sagt: „Es ist, als ob Du entweder ‚in‘ bist oder ‚out‘. Es muss eine dritte Schiene geben, wo Musik einfach Musik sein kann.“ Ist das so? Kann Musik einfach Musik sein? Nein. Musik ist eine Sprache. Kann Sprache einfach Sprache und dabei neutral sein? Die Antwort liegt auf der Hand. Musik ist genauso wenig neutral wie Sprache. Der Soziologe widerspricht ganz eindrücklich dem, was Herr Mason behauptet: „Es kann keine Musik ohne Ideologie geben.“ (Der Klang sozialer Veränderung, R. Serge Denisoff, S. 107). Immer wenn Musik gespielt oder aufgeführt wird, wird etwas gelehrt. Der führende Musikkritiker der New York Times lehnt ebenfalls die Idee mit der „dritten Schiene“ ab. Herr Rothstein (Emblems des Geistes, S. 89) macht wiederum deutlich, auf welcher Seite der Debatte um die Moralität der Musik er steht: „Wenn du also Musik spielst, machst du dir auch einen Stil zu eigen. Ein Stil suggeriert, wie man sitzt, wie man singt, wie man den Rhythmus spürt. Er suggeriert auch, wie man denkt.“

Seine Bemerkungen sollten uns eigentlich nicht überraschen. Es wurde bereits erwähnt, dass der Begriff „Musik“ von muse oder musa abstammt, was denken, meditieren oder nachsinnen bedeutet. Könnte etwas, das uns dazu bringt, in einer bestimmten Richtung zu denken, amoralisch sein? Wenn ja, dann müssten wir den Schluss ziehen, dass Denken – nur Denken ist. Zum Glück sagt uns der gesunde Menschenverstand, dass dem nicht so ist. Außerdem gibt das Wort Gottes dem Gläubigen diesbezüglich klare Unterweisung. Philipper 4,8: „Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob (gibt), das erwägt!“ Warum ist es dem HERRN ein Anliegen, wie wir denken? Warum sollten wir Gläubige Acht geben auf die Gedanken, die uns durch den Kopf gehen? Wir finden die Antwort in Sprüche 23,7: „Denn wie einer, der in seiner Seele berechnet, so ist er.“ (siehe Fußnote Elberfelder; Anm. d. Übersetzers). Dr. Charles R. Phelps, Pastor der Trinity Baptistengemeinde in Concord, New Hampshire, hat es so ausgedrückt: „Wenn Musik auf die Gedanken einwirkt und wir unsere Gedanken in rechter Weise unter Kontrolle haben müssen, dann müssen wir in rechter Weise die Musik, die wir anhören, unter Kontrolle haben.“

Damit kein Zweifel besteht, was mit der Moralität von Musik (geordneter Klang) gemeint ist, wollen wir unsere Suche nach einem tieferen Verständnis und weiteren Beweisen fortsetzen. Deryk Cooke macht am Ende seiner Studie, nach umfassenden technischen Musikanalysen, in seinem Buch Die Sprache der Musik (S. 271) folgende Schlussbemerkung: „Natürlich tragen Rhythmus und Form erheblich zum moralischen Ausdruck bei.“ Natürlich, das soll sagen: „Jeder weiß das – dazu muss man nichts sagen!“ Vielleicht haben es einige vergessen und müssen es wieder aufs Neue hören. William Kilpatrick ist ein hochrangiger Professor für Pädagogik am Boston College. Er ist auch der Verfasser des allgemein bekannten Buches Warum Johnny nicht das Richtige vom Falschen unterscheiden kann und was wir dagegen tun können. Wie denkt er über die Rolle der zeitgenössischen Musik im Leben der Jugendlichen von heute? Warum tut sich Johnny schwer damit, das Gute vom Bösen zu unterscheiden? Herr Kilpatrick macht deutlich, dass einer der Gründe dafür die Musik in Johnnys Leben ist. Mit „Musik und Moralität“ ist ein ganzes Kapitel in seinem Buch überschrieben. Seine Äußerungen bringen sehr klar zum Ausdruck, wie er über die Moralität von Musik denkt. „Egal, wieviele Reformen angestrengt werden – Rock und Rap werden sich immer nur um eines drehen: Gewalt und freien Sex. Der Beat sagt: ‚Tu, was du tun willst!‘“ (S. 182).

Martha Bayles, Absolventin der Harvard Universität, sechs Jahre lang Fernseh- und Kunstkritikerin für Wall Street Journal und Autorin von verschiedenen Beiträgen in Atlantic Monthly, Harper’s, the Brookings Review, the New Creation und zahlreicher anderer Veröffentlichungen, schrieb auch Ein Loch in unserer Seele, Der Verlust von Schönheit und Bedeutung in der amerikanischen Popmusik. Gleich zu Anfang des Buches (S. 4) äußert sie ihre Bedenken, was die zeitgenössische Musik angeht: „...nur wenige Kritiker haben sich mit dem Thema Klang befasst – wobei Musik doch aus Klang besteht.“ Im Gegensatz zu den meisten christlichen Autoren, die dieses Thema ansprechen, geht sie bei ihrer Bewertung zuerst vom Klang aus und nicht von den Texten. Weiter schreibt sie: „... viele der verwendeten Klänge sind genauso aggressiv wie die Texte und Bilder der zeitgenössischen Popmusik.“

Das Buch besteht aus vier Teilen. Der letzte Abschnitt des Buches trägt die Überschrift: „Der Triumph der Perversität“. Nachdem sie ihren Standpunkt genannt hat, gibt sie mehrere gezielte Bewertungen ab. Eine davon (S. 388) lautet: „Es ist ironisch, dass in diesem Zeitalter des Multikulturalismus so viele Menschen einfach nicht die Tatsache erkennen wollen, dass der Westen die einzige Zivilisation ist, die eine Kunstform geschaffen hat, deren alleinige Absicht darin besteht, Moralität anzugreifen.“ Es ist fast schon bizarr, dass die große Mehrheit der Christen zu den „so vielen Menschen“ zählt, die „die Tatsache“ nicht erkennen wollen. Sie definiert Moralität als „ganz einfach den Unterschied zwischen gut und böse – so wie es von den meisten Menschen verstanden wird.“

Ein flüchtiger Blick auf das, was von MTV gezeigt wird, würde jeden Gläubigen mit Unterscheidungsgeist dazu bringen, Martha Bayles zuzustimmen. Die Bilder, die dort mit dem Klang einhergehen, stellen jetzt ganz offen und unverhüllt die Sinnlichkeit dar, von der die Musik seit mehr als zwei Generationen durchdrungen war. Es gibt sogar Stimmen aus der Unterhaltungsindustrie, die Bedenken äußern. Im Rahmen der Sendung „Bloomberg Forum“ (WGBH, Channel 2, Boston, 2-2-98) äußerte Steve Allen: „Im Showbusiness ist es heute oft so, dass Barbaren mit Vulgärem unterhalten werden.“ In der Tat wird die Moralität ganz brutal angegriffen und die Musik spielt dabei eine große Rolle.

An diesem Punkt sollte man sich als durchschnittlicher Christ, der die Neutralität von Musik bejaht, einige in die Tiefe gehende Fragen stellen. Kann ein Wesen, das neutral ist, Moralität angreifen? Kann ein amoralisches Medium eine moralische Auswirkung haben? Die ganz offensichtliche Antwort auf diese Frage deckt auf, wie irrig und falsch die Position der Neutralität ist und steht in starkem Kontrast zu Äußerungen von Leuten wie Harold Best und Steve Miller. Herr Best war früher Dekan des Musikkonservatoriums am Wheaton College; er bezeichnet Musik als „moralisches Nichts-Sein“ und behauptet, dass „es überhaupt nichts Un- oder Antichristliches geben kann bei jeder Art von Musik.“ (Musik gesehen mit den Augen des Glaubens, S. 59, 388). Steve Miller ist der Autor von Die Debatte über zeitgenössische christliche Musik und bringt seinen Standpunkt klar zum Ausdruck, indem er sagt: „Es ist nicht nur akzeptabel, das, was in einer Gesellschaft neutral ist, als Medium für das Evangelium zu benützen, sondern es ist eine vernünftige missionarische Strategie.“ (S. 49).

Diese Sprecher für die Christenheit, die dieser Meinung sind, verwenden offene und direkte Worte, die ihre Sichtweise unmissverständlich klarmachen. Die Welt drückt sich ebenso deutlich aus. In einer geschichtlichen Dokumentation, die von PBS gesendet wurde (Jazz, Teil 3, 10. Januar 2001) – produziert wurde sie von Ken Burns -, beschrieb Musikkritiker Gary Giddins die Musik als „heiß, exotisch und sexy“. Er beschrieb, was bei einer Duke Ellington Show ablief, mit folgenden Worten: „Im Hintergrund der Bühne laufen einige heiße Streifen. Und er macht die Musik dazu, die diese unterstützt, und so wird die Musik selbst erotisch. Und so kommt es, dass die Band mit den Tänzern zusammen agiert. Sie sind genauso erotisch. Sie bewegen sich im gleichen Zwielicht...“

Martha Bayles drückt es in ihrem Buch Ein Loch in unserer Seele (S. 132) ähnlich aus, wo sie eine Musik beschreibt, die fast dreißig Jahre später aufkam: „Es wäre absurd zu behaupten, dass der Rock’n Roll der 1950er ‚religiös‘ sei im Sinne von vergeistigt, reflektierend und nachsinnend – anstelle von körperlich, emotional und erotisch.“

Eine biblische Sichtweise auf die Frage – Ist Musik amoralisch?

Ich sehe, dass es für Gläubige relativ leicht ist, die Kritik des Historikers, die Meinung des Soziologen, die Einschätzung des Musikkritikers, den Standpunkt des Pädagogen, die Bewertung des Komponisten, den Einblick des Chorleiters und auch eines jeden anderen, der nicht offen biblische Werte vertritt, abzulehnen. Wir sollten jedoch nicht vergessen, dass in diesen Kreisen und ganz besonders in diesem Fachgebiet ein Grad an Sachkenntnis, Bewusstsein, akademischen Rangs und errungener Leistungen vorhanden ist, den man in christlichen Kreisen nur selten findet. Des Weiteren sollten wir, wenn Leute ohne das Zeugnis des Heiligen Geistes in ihrem Leben mit Nachdruck und Leidenschaft das verurteilen, was ihrer Meinung nach für die Künste im Besonderen und die Gesellschaft im Allgemeinen schädlich ist, als Gläubige auf ihre Worte Acht geben. Es sollte uns Christen aufrütteln und wir sollten dem ernsthafte Beachtung schenken, wenn die Welt etwas als moralisch beeinflussend ansieht; die Reaktion der Christenheit ist dagegen: „Wir glauben nicht, dass das so ist. Eigentlich ist es ja in Ordnung.“ Vertreten wir nicht normalerweise die andere Seite bei dieser Art von Diskussion? Wer ist hier „das Salz und das Licht“? In Lukas 16,8 bezog sich der Herr Jesus auf Beispiele, wo die Welt ein besseres Urteil abgibt als der Gläubige: „... Denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichts gegen ihr eigenes Geschlecht.“ Vielleicht ist der Bereich der Musik ein klassisches Beispiel dafür.

Die Beweise, die für die Moralität der Musik von diesen Quellen her vorliegen, sind überwältigend. Die Welt verurteilt sich selbst und ihre Musik. Wie kommt es, dass Gläubige ihre Verteidigung übernehmen? In der vorliegenden Abhandlung war es mir ein Anliegen, biblische Prinzipien gemeinsam mit säkularen Forschungsergebnissen vorzulegen, um eine wirksame und überzeugende Argumentation aufzubauen.

Warum ist Musik moralisch? Warum ist es so dringend notwendig, dass der Gläubige ein richtiges Verständnis dieses Konzeptes hat? Weil die Schrift die Musik als moralisch einstuft – ohne die Hilfe säkularer Weisheit. Die Beweise, die die „Welt“ liefert, verstärken nur, verdeutlichen, schmücken aus und stellen vielleicht mehr in einen zeitgenössischen Rahmen, was die Bibel schon sagt. Für diejenigen unter uns, die sich noch nicht sicher sind, wollen wir zum Schluss einen Abschnitt aus dem Alten Testament betrachten. In 1. Chronik 25,1-3 finden wir eine besonders wertvolle und interessante Aussage, die ganz unmissverständlich zeigt, dass Musik ohne Worte moralisch ist. In Vers 1 lesen wir: „... sonderten die Söhne Asafs und Hemans und Jedutuns zum Dienst aus, die auf Zithern und auf Harfen und auf Zimbeln geisterfüllt spielten (wörtlich: prophezeiten; Anm. des Übersetzers)...“ In Vers 3 wird derselbe Gedanke wiederholt: „... unter der Leitung ihres Vaters Jedutun, der geisterfüllt auf der Zither spielte (prophezeite, s. o.), um den HERRN zu preisen und zu loben.“ Das hier verwendete Wort „prophezeien“ sagt von der wörtlichen Bedeutung her aus, dass gepredigt wurde. Ein Prophet spricht soziale, politische und geistliche Anliegen an. Bei dieser Begebenheit wurde gepredigt mit Instrumenten – mit Klängen – Musik! Könnte man ein solches Prophezeien als amoralisch oder neutral ansehen? Nein. Deswegen, wenn man als Christ die Position vertritt, dass Musik neutral sei, bedeutet das nicht nur, dass man die ungeheure Menge von Daten und Erkenntnissen säkularer Experten verwirft, sondern – und dies ist noch viel ernster – dass man die klare Lehre des Wortes Gottes verleugnet und sich ihr ganz bewusst widersetzt.

Musik hat einen äußerst starken Einfluss auf das Leben von Einzelnen, Familien und Gemeinden. Es ist mein Gebet und meine Zielsetzung bei dieser Diskussion, dass die Musik im Leben des Lesers ihn zu der Realität und persönlichen Erfahrung der Worte in 2. Könige 3,15 hinführt: „Und nun holt mir einen Saitenspieler. Und es geschah, als der Saitenspieler spielte, da kam die Hand des HERRN über ihn.“

(Übersetzung von An Important Question for Our Times – Is Music Amoral? /Kurt Woetzel durch impact e.V., © 2003 für D, A, CH)